Aktuelles

Ankündigung: Praxishandbuch Berührungsmedizin – Ein interdisziplinäres Referenzwerk

Die Deutsche Gesellschaft für Berührungsmedizin e.V. kündigt die bevorstehende Veröffentlichung des Praxishandbuchs „Berührungsmedizin“ an, das von den Vorstandsmitgliedern Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen, Prof. Dr. Hans J. Grabe sowie Dr. Michaela Maria Arnold herausgegeben wird. Das Werk schließt eine signifikante Lücke in der medizinischen Fachliteratur, indem es erstmals die theoretischen Grundlagen und klinischen Anwendungsfelder der Berührungsmedizin systematisch und fächerübergreifend darstellt. Während die heilsame Kraft von Berührungen als zentraler Bestandteil therapeutischer Praxis derzeit wachsende wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfährt, fehlte bislang eine umfassende Synthese der Anwendungsfelder und zugrundeliegender Wirkmechanismen. Das vorliegende Handbuch bietet diesen notwendigen, interdisziplinären Überblick und fungiert als wissenschaftlich fundierte Basis für die Integration komplementärmedizinischer Ansätze in die klinische Versorgung. Wissenschaftliche Fundierung und interdisziplinärer Ansatz Das Werk verbindet die fundierte Darstellung theoretischer Grundlagen mit praxisnahen Evidenzen. Dabei werden Erkenntnisse aus der Medizin, Psychologie, Physiologie und den Neurowissenschaften integriert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf: Klinische Anwendungsfelder und Implementierung Das Handbuch deckt ein breites Spektrum berührungsmedizinischer Anwendungsbereiche ab. Die Beiträge spannen den Bogen von der Neonatologie über die Psychiatrie und Onkologie bis hin zur Palliativmedizin. Über die rein klinische Anwendung hinaus adressiert das Werk kritische Faktoren für die Professionalisierung des Fachbereichs: Fazit Mit diesem Werk legt die Deutsche Gesellschaft für Berührungsmedizin e.V.  ein Referenzwerk vor, das sich an Fachkräfte richtet, die Berührung als wirksamen und verantwortungsvoll gestalteten Bestandteil ihres therapeutischen Handelns begreifen und auf wissenschaftlichem Niveau weiterentwickeln möchten. Der Titel (ISBN 978-3-17-046375-2) erscheint voraussichtlich im 4. Quartal 2026 beim Kohlhammer Verlag.

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Implementierung integrativer Pflege in der Onkologie

Eine aktuelle Studie aus der Fachzeitschrift Supportive Care in Cancer untersuchte die Einführung eines integrativen Pflegekonzepts auf einer onkologischen Station und wertete Routinedaten aus den Jahren 2021 bis 2023 aus. Im Mittelpunkt standen ergänzende pflegerische Maßnahmen, die Patientinnen und Patienten neben der konventionellen Tumortherapie unterstützen sollen – darunter ausdrücklich auch berührungsbasierte Anwendungen. Die Auswertung zeigt, dass solche Angebote im klinischen Alltag praktikabel implementiert werden können und von vielen Betroffenen genutzt wurden. Zu den eingesetzten Interventionen gehörten Anwendungen wie rhythmische Einreibungen, achtsame Berührungen mit Aromatherapie-Ölen und weitere körpernahe pflegerische Maßnahmen zur Symptomlinderung und Entspannung. Diese Anwendungen wurden vor allem eingesetzt, um Beschwerden wie Unruhe, Angst, Schmerzen, Schlafprobleme oder allgemeines Unwohlsein zu reduzieren. Die Studie unterstreicht damit, dass Berührung im onkologischen Setting nicht nur als „Zuwendung“, sondern als strukturierte klinische Intervention verstanden werden kann. Für die Praxis, aber auch für die DGfBM ist das ein wichtiges Signal: Gerade in hoch technisierten Versorgungsumgebungen kann professionell angeleitete Berührung helfen, Sicherheit, Körperwahrnehmung und Wohlbefinden zu stärken. Die Ergebnisse sprechen dafür, berührungsorientierte Pflegeangebote systematisch in supportive-care-Konzepte zu integrieren, Mitarbeitende entsprechend zu qualifizieren und deren Wirkung künftig noch gezielter wissenschaftlich zu evaluieren. Link zur Veröffentlichung: Raiber, L., Stock-Schröer, B., & Kramer, K. (2026). Implementing integrative nursing for oncology inpatients: A retrospective analysis of project-related routine data from 2021 to 2023. Supportive Care in Cancer, 34(5), 441. https://doi.org/10.1007/s00520-026-10666-2

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Lesetipps: Neue Buchveröffentlichungen zur Kraft der Berührung

Neu auf dem Markt der „Berührungsbücher“ sind zwei kleinere, aber sehr lebendig und ersichtlich kenntnisreich geschriebene Bücher erschienen: Ilona Croy: „Touch me – Die geheime Superkraft der Berührung“Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin an der Universität Jena stellt hier in einem sehr lebendigen, „jugendlichen“ Schreibstil anhand von Experimenten, aber auch Alltagsgeschichten dar, warum wir Berührung brauchen, um z. B. auch als Paar glücklich zu werden, Stress abzubauen, Einsamkeit erträglicher zu gestalten oder sportliche Erfolge zu feiern – und dies gerade in einer zunehmend digitalisierten Welt. Link zur Veröffentlichung: https://www.komplett-media.com/products/touch-me Michaela Maria Arnold: „Das Berührungsbuch. Wie Berührung Körper, Geist und Seele stärkt“In der Reihe der Fachratgeber des Klett-Cotta-Verlags ist ein neues, dem Thema „Berührung“ gewidmetes Buch aus der Feder der Ärztin und staatlich anerkannten Masseurin Dr. med. Arnold erschienen, die auch Vorstandsmitglied in unserer Gesellschaft ist. Das Buch präsentiert anhand von sieben Dimensionen der „Berührungsblume“ und mittels vieler Fallbeispiele eine gelungene Verbindung aus fundiertem medizinischem Wissen und praktischer Erfahrung in sozialer und heilsamer Berührung. Link zur Veröffentlichung: https://www.klett-cotta.de/produkt/michaela-maria-arnold-das-beruehrungsbuch-9783608860924-t-9378

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Systematische Übersichtsarbeit: Die Rolle affektiver Berührung bei psychischen Erkrankungen

Im vergangenen Jahr ist eine für alle „Berührungsmediziner“ oder körpertherapeutisch arbeitenden Psychologen wichtiges systematisches Review von Papi et al. (2025) erschienen. Es beschäftigt sich mit der Evidenz von Studien zu therapeutischen Effekten der Anwendung des „affective touch“ und damit einer Stimulation von CT-Afferenzen. Die italienischen Kollegen haben alle diesbezüglich publizierten kontrollierten Studien genau ausgewertet und vor allem auch in ihren Details tabellarisch referiert, die zur Wirksamkeit professioneller Berührung bei verschiedensten psychiatrischen Störungen (z.B. Essstörungen, Angst, Depression, somatoforme Störungen) in den letzten 10 Jahren publiziert wurden. (Erfreulicherweise und im Kontrast z.B. zu dem vielzitierten Review von Packheiser et al. werden auch die in diesem Zeitraum publizierten deutschen Studien im Detail dargestellt und bewertet.) Papi et al. kommen schlussendlich zum Ergebnis, dass manuelle Therapien, die auf dem Einsatz des „affective touch“ beruhen, die Symptomschwere von Patienten mit den genannten und weiteren Diagnosen wirksam reduzieren und die interozeptiven Prozesse (vgl. Eggart et al. 2019, McGlone et al. 2024) optimieren können. Die Darstellung psychologischer Befunde werden ergänzt durch die Ergebnisse parallel durchgeführter bildgebender Verfahren. Weitere und methodisch hochkarätige Studien, die nach akzeptierten methodischen Vorgaben durchgeführt werden sollten, sind nach Meinung der Autoren in Zukunft notwendig, um die therapeutische Bedeutung des „affective touch“ bei Patienten mit den verschiedensten psychiatrischen Diagnosen auf einem methodisch zeitgemäßen Niveau abzusichern. Link zur Veröffentlichung: Papi, M., Decandia, D., Laricchiuta, D., Cutuli, D., Buratta, L., Peciccia, M., & Mazzeschi, C. (2025). The role of affective touch in mental illness: a systematic review of CT fiber dysregulation in psychological disorders and the therapeutic potential of CT fiber stimulation. Frontiers in Psychiatry, 16, 1498006. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2025.1498006

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Interozeption und Suizidalität bei Depression: Neue Studiendaten

Auf dem soeben zu Ende gegangenen und gut besuchten Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Berlin wurden durch Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen gemeinsam mit Dr. Michael Eggart aktuelle Forschungsergebnisse zur Bedeutung der Interozeption bei schweren Depressionen vorgestellt. Untersucht wurde an einer Stichprobe stationär behandelter Patientinnen und Patienten mit schwerer Depression, ob sich durch die Erfassung gestörter Interozeption die Wahrscheinlichkeit von Suizidgedanken zum Ende der Behandlung vorhersagen lässt. Während der Präsentation wurde deutlich, dass viele der Anwesenden – überwiegend Psychologinnen und Psychologen – die Vorstellung von Depression als primär einer Leibkrankheit und nicht in erster Linie einer „Hirnkrankheit“ als ungewohnt und überraschend empfanden. Der Referent erwähnte zudem, dass häufig eingesetzte Antidepressiva – im Gegensatz zu Lithiumsalzen – keine nachgewiesene suizidpräventive Wirkung besitzen. Besonderes Interesse weckte das zentrale Studienergebnis: Die Wahrscheinlichkeit von Suizidgedanken zum Ende eines stationären Aufenthalts ließ sich durch ein zu Beginn dokumentiertes reduziertes Leibvertrauen auf der MAIA-2-Skala vorhersagen. Unter den Teilnehmenden bestand Einigkeit darüber, dass diese Befunde in weiteren Studien repliziert werden sollten, insbesondere an Stichproben mit erwartungsgemäß höherer Suizidalität d.h. auch an solchen mit bipolarer Störung. Therapeutische Konsequenzen für die klinische Praxis lassen sich aus diesen Befunden gegenwärtig nicht ableiten. Link zur Veröffentlichung: Eggart, M., Valdés‐Stauber, J., & Müller‐Oerlinghausen, B. (2025). Reduced trust in bodily sensations predicts suicidal ideation in hospitalized patients with major depression: an observational study. Suicide and Life‐Threatening Behavior, 55(4), e70041. https://doi.org/10.1111/sltb.70041

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Studie zur Wirkung von Massage bei generalisierter Angststörung

Die generalisierte Angststörung tritt bei fast 6 % der Bevölkerung auf. Viele Betroffene suchen nach ergänzenden oder alternativen Behandlungsformen, da konventionelle medikamentöse oder psychotherapeutische Therapien nicht in allen Fällen ausreichend wirksam sind. In diesem Kontext werden auch Körpertherapien wie die Schwedische Massage eingesetzt. Eine aktuelle Studie zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Patientinnen und Patienten nach Abschluss einer Therapiephase mit mindestens zwölf Behandlungen über einen längeren Zeitraum nachbeobachtet wurden. Die Ergebnisse wurden mit einer Kontrollgruppe verglichen, die lediglich leichte Berührungen erhielt. Die Auswertung der Fragebögen zum Wiederauftreten der Symptomatik deutet darauf hin, dass die positiven Therapieeffekte bei den behandelten Patientinnen und Patienten bis zu einem Jahr lang auch ohne weitere therapeutische Interventionen erhalten blieben. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit den Befunden von Baumgart et al. (2020). In einer kontrollierten Studie konnten die Autorinnen und Autoren ebenfalls überdauernde Effekte einer „psychoregulativen Massage“ bei Patientinnen mit somatischem Rückenschmerz und Depression nachweisen. Link zur Veröffentlichung: Rapaport, M. H., Schettler, P. J., Larson, E. R., Edwards, S. A., Dunlop, B. W., Rakofsky, J. J., & Kinkead, B. (2023). A preliminary descriptive report of the longevity of the effects of Swedish Massage therapy for subjects with Generalized Anxiety Disorder. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 33, 176-181. https://doi.org/10.1016/j.jbmt.2022.11.001

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Neue Literatur zu Massageeffekten

Im Februar diesen Jahres ist im Band 181 von Neuroscience and Biobehavioral Reviews eine für viele unserer Mitglieder sicherlich interessante Arbeit erschienen: Jinich-Diamant, A., Albinni, B., Fishbein, J. N., Jacobson, E., Abraira, V. E., Hong, S., … & Case, L. (2025). MASSAG model: Towards an integrative neuroscience framework linking emotional trauma, pain, and mechanisms of force-based manipulations. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 181, 106517. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2025.106517 Diese umfangreiche Literaturübersicht geht davon aus, dass chronischer Schmerz, eine Trauma-Anamnese und affektive Störungen (etwa Depression) häufig zusammen auftreten. Dies spricht dafür, dass insbesondere manuelle Therapien bei solcher Indikation wirksam sein müssten, da sie gleichzeitig vielfach belegte emotionale und neurophysiologische Effekte besitzen. Die Arbeit bündelt die Evidenz, dass Trauma und Stress nervale, immunologische und myofasziale Funktionen und damit sensorische Prozesse und die Schmerzempfindung modulieren. Sie stellen damit ein theoretisches Modell vor (MASSAG), innerhalb dessen zukünftig empirische Daten zur Wirksamkeit von z.B. Massage oder myofaszialer Manipulation interpretiert werden können. Auch wenn man den theoretischen Überlegungen der Autoren nicht in jedem Detail folgen muss, so bietet die Arbeit eine Fülle von publizierten empirischen Erkenntnissen, die uns besser verstehen lassen, was im Rahmen einer körpertherapeutischen Behandlung auf mehreren Beschreibungsebenen geschieht.

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Studienprotokoll: Einfluss der Osteopathie auf Schmerz, Depression und Interozeption bei chronischem Rückenschmerz

Eine neue randomisierte kontrollierte Studie unter Leitung von Lucas Bohlen an der Medical School Hamburg untersucht den Einfluss osteopathischer Behandlungen auf chronische Rückenschmerzen bei komorbider depressiver Symptomatik. Die Untersuchung fokussiert sich auf die Veränderung von Schmerz, Funktionseinschränkung und Interozeption, also der Körperwahrnehmung, bei 60 Probanden im Vergleich zur Scheinbehandlung. Die Ergebnisse sollen aufzeigen, ob Osteopathie als integrativer Ansatz zur Linderung psychosomatischer Beschwerden wirksam ist. Nähere Informationen zur Studie werden nach Abschluss in Fachzeitschriften publiziert. Weitere Informationen finden sich im veröffentlichten Studienprotokoll in der Fachzeitschrift BMJ Open:Bohlen, L., Eggart, M., Müller-Oerlinghausen, B., Lorenz, J., Schleip, R., Liem, T., … & Schmidt, T. (2025). Effect of osteopathic manipulative treatment on comorbid depressive symptoms in patients with chronic low back pain: study protocol for a randomised controlled trial. BMJ Open, 15(7), e094747. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2024-094747

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Ehrenmitgliedschaft für Prof. Francis McGlone

Entsprechend einem Beschluss der Mitgliederversammlung ist Prof. Francis McGlone (Liverpool), einer der bekanntesten Berührungsforscher (Spezialgebiet: Neurophysiologie des affective touch) zum Ehrenmitglied unserer Gesellschaft ernannt worden. Eine entsprechende Urkunde wurde ihm vom 1. Vorsitzenden übermittelt, worüber er sich sehr gefreut hat. (Hinweis für unsere Wissenschaftler: Francis McGlone beschäftigt sich in neuester Zeit auch mit den Zusammenhängen von Berührung und dem Darm-Microbiom, ein vielversprechender neuer Ansatz in der Berührungsforschung, der wiederum einen Bezug zur Interozeptionsforschung beinhaltet.)

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Seminar: Traumasensible Berührung

Vom 16. bis 19. Oktober 2025 leitete Gabriele Mariell Kiebgis im Kloster Heiligkreuztal ein Seminar zum Thema „Traumasensible Berührung“ in der Psychoaktiven Massage. Im Mittelpunkt steht ein achtsamer und professionell fundierter Umgang mit Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben. Das Seminar verbindet theoretisches Wissen mit praktischen Übungen, Selbsterfahrung und fachlichem Austausch.

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