Aktuelles

Massage bei Jugendlichen mit ADHS: Das Konzept der „Verkörperten Verbundenheit“ als komplementärer Pflegeansatz

Eine aktuelle qualitative Studie der Universität Göteborg untersuchte den therapeutischen Nutzen der Massagetherapie bei Jugendlichen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Da traditionelle therapeutische Ansätze bei dieser Patientengruppe aufgrund von Defiziten in der Aufmerksamkeits- und Impulskontrolle oft an Grenzen stoßen, gewinnen körperbasierte Interventionen zunehmend an klinischer Relevanz. Die schwedische Untersuchung widmete sich primär der Akzeptanz und den subjektiven Erfahrungen einer zehnwöchigen Massagebehandlung bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Die Intervention basiert auf neurophysiologischen Erkenntnissen zur Aktivierung von C-taktilen (CT) Nervenfasern. Diese hochspezialisierten, unmyelinisierten Afferenzen reagieren optimal auf langsame, sanfte Streichbewegungen und sind maßgeblich an der emotionalen Regulation, der Stressreduktion sowie der neurobiologischen Vermittlung von sozialer Bindung beteiligt. Im Rahmen der qualitativen Evaluation mittels interpretativer Beschreibung wurden semi-strukturierte Interviews mit 14 betroffenen Jugendlichen sowie deren Erziehungsberechtigten ausgewertet. Als zentrales Ergebnis der Studie etablierte sich das Konzept der „Verkörperten Verbundenheit“. Dieses beschreibt die Integration von physischen, emotionalen und relationalen Prozessen durch die Massage. Auf der körperlichen Ebene stärkt die gezielte Stimulation die oft defizitäre Körperwahrnehmung der Jugendlichen mit ADHS. Neurobiologisch bewirkt die Aktivierung CT Nervenfasern eine Dämpfung der Stressreaktivität und fördert die affektive Regulation sowie Entspannung. Gleichzeitig induziert das strukturierte Behandlungsritual Vertrauen in den therapeutischen Kontext. Das Konzept der „Verkörperten Verbundenheit“ liefert damit eine theoretische und empirische Basis, um standardisierte Berührungstherapien in moderne, interdisziplinäre Pflege- und Behandlungskonzepte für Jugendliche mit ADHS zu integrieren. Link zur Veröffentlichung: Robertz, A. C., Kantzer, A. K., Nyman, V., Törnhage, C. J., & Nilsson, S. (2026). Introducing the Concept of Embodied Interconnectedness: Perspectives on Tactile Massage for Adolescents With Attention Deficit Hyperactivity Disorder (adhd). Global Advances in Integrative Medicine and Health, 15. https://doi.org/10.1177/27536130261475332

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Berührungsmedizin bei ME/CFS: Erste Hinweise auf Potenziale, aber weiterer Forschungsbedarf

Die Myalgische Enzephalomyelitis / das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) ist eine schwerwiegende, komplexe und bislang unzureichend verstandene Erkrankung, die mit erheblicher körperlicher und kognitiver Erschöpfung, Belastungsintoleranz sowie einer Vielzahl weiterer Symptome einhergehen kann. Eine ME/CFS kann auch im Rahmen eines Post-COVID-Syndroms auftreten. Wir haben die aktuelle wissenschaftliche Literatur zu berührungsmedizinischen Interventionen bei ME/CFS ausgewertet. Die bisherige Evidenz ist insgesamt noch begrenzt, zeigt jedoch interessante Entwicklungen. Insbesondere für Massagetherapien finden sich zunehmend Hinweise auf positive Wirkungen. Mehrere Studien – überwiegend von chinesischen Autorengruppen – berichten von Verbesserungen der physischen und mentalen Fatigue. In einzelnen Untersuchungen werden dabei große Effektstärken beschrieben. Auch wenn die methodische Qualität der Studien unterschiedlich ausfällt und weitere Forschung erforderlich ist, deutet sich hier ein relevantes Forschungsfeld an. Darüber hinaus liegen erste Hinweise auf die Wirksamkeit von Lymphdrainagen vor. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang nicht abschließend geklärt, könnten jedoch mit einer Beeinflussung neurovegetativer, lymphatischer und entzündungsbezogener Prozesse zusammenhängen. Bemerkenswert ist zudem, dass viele Menschen mit ME/CFS berührungsmedizinische Verfahren bereits nutzen. Dies weist auf einen Bedarf hin, die Erfahrungen von Betroffenen stärker in die wissenschaftliche Diskussion einzubeziehen und die vorhandenen Ansätze systematisch zu untersuchen. Gleichzeitig ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Menschen mit schwerem ME/CFS können auf sensorische Reize, einschließlich Berührungen, äußerst empfindlich reagieren. Berührungsmedizinische Interventionen sind daher nicht pauschal für alle Betroffenen geeignet und müssen individuell angepasst sowie sorgfältig hinsichtlich Verträglichkeit und Belastung bewertet werden. Die Deutsche Gesellschaft für Berührungsmedizin e.V. (DGfBM) sieht in diesem Themenfeld ein spannendes Forschungsgebiet an der Schnittstelle von klinischer Versorgung, Patientenerfahrung und Grundlagenforschung. Die bisherigen Befunde rechtfertigen aus unserer Sicht weder überzogene Erwartungen noch vorschnelle Ablehnungen. Vielmehr sprechen sie dafür, berührungsmedizinische Ansätze wissenschaftlich weiter zu untersuchen und den Dialog mit Betroffenen, Behandelnden und Forschenden zu intensivieren.

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Berührungsmedizin als „Lifestyle-Psychiatrie“?

In der aktuellen Ausgabe der „Nervenheilkunde“ findet sich ein interessanter Beitrag der bekannten schwedisch-deutschen Berührungsforscherin Rebecca Böhme, der u.a. auch einen Blick auf psychiatrisch relevante Aspekte der derzeitigen Berührungsforschung wirft. Die Arbeit analysiert neurobiologische Mechanismen, wie C-taktile Afferenzen, sowie deren Bedeutung für Stressregulation und die Implementierung von Berührungsinterventionen in der Therapie. So wichtig wir es finden, dass ein berührungsmedizinischer Aspekt in einer weitverbreiteten Fachzeitschrift thematisiert wird, so falsch erscheint der DGfBM die Ressortierung dieses Beitrags unter dem Begriff einer „Lifestyle-Psychiatrie“. Dies lässt den so wichtigen und viele medizinische Indikationen betreffenden medizinischen Aspekt der Berührung in einem missverständlichen Kontext erscheinen. Link zur Veröffentlichung: Böhme, R. (2026). Von Körperschema bis Co-Regulation. Nervenheilkunde, 45(5), 303-312. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-2839-1429

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Ankündigung: Praxishandbuch Berührungsmedizin – Ein interdisziplinäres Referenzwerk

Die Deutsche Gesellschaft für Berührungsmedizin e.V. kündigt die bevorstehende Veröffentlichung des Praxishandbuchs „Berührungsmedizin“ an, das von den Vorstandsmitgliedern Prof. em. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Prof. Dr. med. Hans J. Grabe sowie Dr. med. Michaela Maria Arnold herausgegeben wird. Das Werk schließt eine signifikante Lücke in der medizinischen Fachliteratur, indem es erstmals die theoretischen Grundlagen und klinischen Anwendungsfelder der Berührungsmedizin systematisch und fächerübergreifend darstellt. Während die heilsame Kraft von Berührungen als zentraler Bestandteil therapeutischer Praxis derzeit wachsende wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfährt, fehlte bislang eine umfassende Synthese der Anwendungsfelder und zugrundeliegender Wirkmechanismen. Das vorliegende Handbuch bietet diesen notwendigen, interdisziplinären Überblick und fungiert als wissenschaftlich fundierte Basis für die Integration komplementärmedizinischer Ansätze in die klinische Versorgung. Wissenschaftliche Fundierung und interdisziplinärer Ansatz Das Werk verbindet die fundierte Darstellung theoretischer Grundlagen mit praxisnahen Evidenzen. Dabei werden Erkenntnisse aus der Medizin, Psychologie, Physiologie und den Neurowissenschaften integriert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf: Klinische Anwendungsfelder und Implementierung Das Handbuch deckt ein breites Spektrum berührungsmedizinischer Anwendungsbereiche ab. Die Beiträge spannen den Bogen von der Neonatologie über die Psychiatrie und Onkologie bis hin zur Palliativmedizin. Über die rein klinische Anwendung hinaus adressiert das Werk kritische Faktoren für die Professionalisierung des Fachbereichs: Fazit Mit diesem Werk legt die Deutsche Gesellschaft für Berührungsmedizin e.V.  ein Referenzwerk vor, das sich an Fachkräfte richtet, die Berührung als wirksamen und verantwortungsvoll gestalteten Bestandteil ihres therapeutischen Handelns begreifen und auf wissenschaftlichem Niveau weiterentwickeln möchten. Der Titel (ISBN 978-3-17-046375-2) erscheint voraussichtlich im 4. Quartal 2026 beim Kohlhammer Verlag.

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Implementierung integrativer Pflege in der Onkologie

Eine aktuelle Studie aus der Fachzeitschrift Supportive Care in Cancer untersuchte die Einführung eines integrativen Pflegekonzepts auf einer onkologischen Station und wertete Routinedaten aus den Jahren 2021 bis 2023 aus. Im Mittelpunkt standen ergänzende pflegerische Maßnahmen, die Patientinnen und Patienten neben der konventionellen Tumortherapie unterstützen sollen – darunter ausdrücklich auch berührungsbasierte Anwendungen. Die Auswertung zeigt, dass solche Angebote im klinischen Alltag praktikabel implementiert werden können und von vielen Betroffenen genutzt wurden. Zu den eingesetzten Interventionen gehörten Anwendungen wie rhythmische Einreibungen, achtsame Berührungen mit Aromatherapie-Ölen und weitere körpernahe pflegerische Maßnahmen zur Symptomlinderung und Entspannung. Diese Anwendungen wurden vor allem eingesetzt, um Beschwerden wie Unruhe, Angst, Schmerzen, Schlafprobleme oder allgemeines Unwohlsein zu reduzieren. Die Studie unterstreicht damit, dass Berührung im onkologischen Setting nicht nur als „Zuwendung“, sondern als strukturierte klinische Intervention verstanden werden kann. Für die Praxis, aber auch für die DGfBM ist das ein wichtiges Signal: Gerade in hoch technisierten Versorgungsumgebungen kann professionell angeleitete Berührung helfen, Sicherheit, Körperwahrnehmung und Wohlbefinden zu stärken. Die Ergebnisse sprechen dafür, berührungsorientierte Pflegeangebote systematisch in supportive-care-Konzepte zu integrieren, Mitarbeitende entsprechend zu qualifizieren und deren Wirkung künftig noch gezielter wissenschaftlich zu evaluieren. Link zur Veröffentlichung: Raiber, L., Stock-Schröer, B., & Kramer, K. (2026). Implementing integrative nursing for oncology inpatients: A retrospective analysis of project-related routine data from 2021 to 2023. Supportive Care in Cancer, 34(5), 441. https://doi.org/10.1007/s00520-026-10666-2

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Lesetipps: Neue Buchveröffentlichungen zur Kraft der Berührung

Neu auf dem Markt der „Berührungsbücher“ sind zwei kleinere, aber sehr lebendig und ersichtlich kenntnisreich geschriebene Bücher erschienen: Ilona Croy: „Touch me – Die geheime Superkraft der Berührung“Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin an der Universität Jena stellt hier in einem sehr lebendigen, „jugendlichen“ Schreibstil anhand von Experimenten, aber auch Alltagsgeschichten dar, warum wir Berührung brauchen, um z. B. auch als Paar glücklich zu werden, Stress abzubauen, Einsamkeit erträglicher zu gestalten oder sportliche Erfolge zu feiern – und dies gerade in einer zunehmend digitalisierten Welt. Link zur Veröffentlichung: https://www.komplett-media.com/products/touch-me Michaela Maria Arnold: „Das Berührungsbuch. Wie Berührung Körper, Geist und Seele stärkt“In der Reihe der Fachratgeber des Klett-Cotta-Verlags ist ein neues, dem Thema „Berührung“ gewidmetes Buch aus der Feder der Ärztin und staatlich anerkannten Masseurin Dr. med. Arnold erschienen, die auch Vorstandsmitglied in unserer Gesellschaft ist. Das Buch präsentiert anhand von sieben Dimensionen der „Berührungsblume“ und mittels vieler Fallbeispiele eine gelungene Verbindung aus fundiertem medizinischem Wissen und praktischer Erfahrung in sozialer und heilsamer Berührung. Link zur Veröffentlichung: https://www.klett-cotta.de/produkt/michaela-maria-arnold-das-beruehrungsbuch-9783608860924-t-9378

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Systematische Übersichtsarbeit: Die Rolle affektiver Berührung bei psychischen Erkrankungen

Im vergangenen Jahr ist eine für alle „Berührungsmediziner“ oder körpertherapeutisch arbeitenden Psychologen wichtiges systematisches Review von Papi et al. (2025) erschienen. Es beschäftigt sich mit der Evidenz von Studien zu therapeutischen Effekten der Anwendung des „affective touch“ und damit einer Stimulation von CT-Afferenzen. Die italienischen Kollegen haben alle diesbezüglich publizierten kontrollierten Studien genau ausgewertet und vor allem auch in ihren Details tabellarisch referiert, die zur Wirksamkeit professioneller Berührung bei verschiedensten psychiatrischen Störungen (z.B. Essstörungen, Angst, Depression, somatoforme Störungen) in den letzten 10 Jahren publiziert wurden. (Erfreulicherweise und im Kontrast z.B. zu dem vielzitierten Review von Packheiser et al. werden auch die in diesem Zeitraum publizierten deutschen Studien im Detail dargestellt und bewertet.) Papi et al. kommen schlussendlich zum Ergebnis, dass manuelle Therapien, die auf dem Einsatz des „affective touch“ beruhen, die Symptomschwere von Patienten mit den genannten und weiteren Diagnosen wirksam reduzieren und die interozeptiven Prozesse (vgl. Eggart et al. 2019, McGlone et al. 2024) optimieren können. Die Darstellung psychologischer Befunde werden ergänzt durch die Ergebnisse parallel durchgeführter bildgebender Verfahren. Weitere und methodisch hochkarätige Studien, die nach akzeptierten methodischen Vorgaben durchgeführt werden sollten, sind nach Meinung der Autoren in Zukunft notwendig, um die therapeutische Bedeutung des „affective touch“ bei Patienten mit den verschiedensten psychiatrischen Diagnosen auf einem methodisch zeitgemäßen Niveau abzusichern. Link zur Veröffentlichung: Papi, M., Decandia, D., Laricchiuta, D., Cutuli, D., Buratta, L., Peciccia, M., & Mazzeschi, C. (2025). The role of affective touch in mental illness: a systematic review of CT fiber dysregulation in psychological disorders and the therapeutic potential of CT fiber stimulation. Frontiers in Psychiatry, 16, 1498006. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2025.1498006

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Interozeption und Suizidalität bei Depression: Neue Studiendaten

Auf dem soeben zu Ende gegangenen und gut besuchten Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Berlin wurden durch Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen gemeinsam mit Dr. Michael Eggart aktuelle Forschungsergebnisse zur Bedeutung der Interozeption bei schweren Depressionen vorgestellt. Untersucht wurde an einer Stichprobe stationär behandelter Patientinnen und Patienten mit schwerer Depression, ob sich durch die Erfassung gestörter Interozeption die Wahrscheinlichkeit von Suizidgedanken zum Ende der Behandlung vorhersagen lässt. Während der Präsentation wurde deutlich, dass viele der Anwesenden – überwiegend Psychologinnen und Psychologen – die Vorstellung von Depression als primär einer Leibkrankheit und nicht in erster Linie einer „Hirnkrankheit“ als ungewohnt und überraschend empfanden. Der Referent erwähnte zudem, dass häufig eingesetzte Antidepressiva – im Gegensatz zu Lithiumsalzen – keine nachgewiesene suizidpräventive Wirkung besitzen. Besonderes Interesse weckte das zentrale Studienergebnis: Die Wahrscheinlichkeit von Suizidgedanken zum Ende eines stationären Aufenthalts ließ sich durch ein zu Beginn dokumentiertes reduziertes Leibvertrauen auf der MAIA-2-Skala vorhersagen. Unter den Teilnehmenden bestand Einigkeit darüber, dass diese Befunde in weiteren Studien repliziert werden sollten, insbesondere an Stichproben mit erwartungsgemäß höherer Suizidalität d.h. auch an solchen mit bipolarer Störung. Therapeutische Konsequenzen für die klinische Praxis lassen sich aus diesen Befunden gegenwärtig nicht ableiten. Link zur Veröffentlichung: Eggart, M., Valdés‐Stauber, J., & Müller‐Oerlinghausen, B. (2025). Reduced trust in bodily sensations predicts suicidal ideation in hospitalized patients with major depression: an observational study. Suicide and Life‐Threatening Behavior, 55(4), e70041. https://doi.org/10.1111/sltb.70041

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Studie zur Wirkung von Massage bei generalisierter Angststörung

Die generalisierte Angststörung tritt bei fast 6 % der Bevölkerung auf. Viele Betroffene suchen nach ergänzenden oder alternativen Behandlungsformen, da konventionelle medikamentöse oder psychotherapeutische Therapien nicht in allen Fällen ausreichend wirksam sind. In diesem Kontext werden auch Körpertherapien wie die Schwedische Massage eingesetzt. Eine aktuelle Studie zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Patientinnen und Patienten nach Abschluss einer Therapiephase mit mindestens zwölf Behandlungen über einen längeren Zeitraum nachbeobachtet wurden. Die Ergebnisse wurden mit einer Kontrollgruppe verglichen, die lediglich leichte Berührungen erhielt. Die Auswertung der Fragebögen zum Wiederauftreten der Symptomatik deutet darauf hin, dass die positiven Therapieeffekte bei den behandelten Patientinnen und Patienten bis zu einem Jahr lang auch ohne weitere therapeutische Interventionen erhalten blieben. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit den Befunden von Baumgart et al. (2020). In einer kontrollierten Studie konnten die Autorinnen und Autoren ebenfalls überdauernde Effekte einer „psychoregulativen Massage“ bei Patientinnen mit somatischem Rückenschmerz und Depression nachweisen. Link zur Veröffentlichung: Rapaport, M. H., Schettler, P. J., Larson, E. R., Edwards, S. A., Dunlop, B. W., Rakofsky, J. J., & Kinkead, B. (2023). A preliminary descriptive report of the longevity of the effects of Swedish Massage therapy for subjects with Generalized Anxiety Disorder. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 33, 176-181. https://doi.org/10.1016/j.jbmt.2022.11.001

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Neue Literatur zu Massageeffekten

Im Februar diesen Jahres ist im Band 181 von Neuroscience and Biobehavioral Reviews eine für viele unserer Mitglieder sicherlich interessante Arbeit erschienen: Jinich-Diamant, A., Albinni, B., Fishbein, J. N., Jacobson, E., Abraira, V. E., Hong, S., … & Case, L. (2025). MASSAG model: Towards an integrative neuroscience framework linking emotional trauma, pain, and mechanisms of force-based manipulations. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 181, 106517. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2025.106517 Diese umfangreiche Literaturübersicht geht davon aus, dass chronischer Schmerz, eine Trauma-Anamnese und affektive Störungen (etwa Depression) häufig zusammen auftreten. Dies spricht dafür, dass insbesondere manuelle Therapien bei solcher Indikation wirksam sein müssten, da sie gleichzeitig vielfach belegte emotionale und neurophysiologische Effekte besitzen. Die Arbeit bündelt die Evidenz, dass Trauma und Stress nervale, immunologische und myofasziale Funktionen und damit sensorische Prozesse und die Schmerzempfindung modulieren. Sie stellen damit ein theoretisches Modell vor (MASSAG), innerhalb dessen zukünftig empirische Daten zur Wirksamkeit von z.B. Massage oder myofaszialer Manipulation interpretiert werden können. Auch wenn man den theoretischen Überlegungen der Autoren nicht in jedem Detail folgen muss, so bietet die Arbeit eine Fülle von publizierten empirischen Erkenntnissen, die uns besser verstehen lassen, was im Rahmen einer körpertherapeutischen Behandlung auf mehreren Beschreibungsebenen geschieht.

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