Implementierung der Berührungsmedizin an einer Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Viele unserer Patientinnen und Patienten haben entweder keine positiven Berührungserfahrungen gemacht oder waren sogar aversiven körperlichen Berührungen im Rahmen von Missbrauchserfahrungen ausgesetzt. Beides kann zu seelischen Erkrankungen und Leid führen. Neben psychotherapeutischen Maßnahmen stellen positive therapeutische Berührungserfahrungen einen neuen Zugang zur Förderung des Selbsterlebens und Fühlens der Patientinnen und Patienten dar.

In unserem Projekt implementieren wir in diagnostischen Fokusgruppen die Psychoaktive Massage (PAM) nach M. Kiebgis. Diese wird von geschulten Physiotherapeutinnen und Co-Therapeutinnen umgesetzt.

Derzeit laufen die Planungen für eine Therapieinterventionsstudie, in deren Rahmen wir PAM gegen eine Vergleichsbedingung testen werden. Die Patienten werden randomisiert den Therapiearmen zugewiesen und erhalten drei bis vier spezifische Therapiesitzungen. Die Patienten stammen aus dem Diagnosespektrum „Depression mit Komorbiditäten“ wie Angst, somatoformen Symptomen, Traumatisierung und PTBS. Veränderungsmessungen erfolgen auf einschlägigen Skalen zur Messung von Psychopathologie sowie auf Skalen zur Erfassung von Alexithymie und Interozeption. Etwaige negative Erlebnisse während oder nach der Therapie werden individuell protokolliert. Ein daraus abgeleitetes Ziel ist eine erfahrungs- und/oder wissenschaftlich-gestützte Differenzialindikation für PAM.