Symposium “Interozeptive Aspekte affektiver Störungen” auf dem DGPPN Kongress 2026
Wir freuen uns sehr, mit einem eigenen Symposium auf dem diesjährigen DGPPN-Kongress vertreten zu sein.
Titel des Symposiums:
Interozeptive Aspekte affektiver Störungen
Vorsitz:
- Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs (Chair), Universitätsklinikum Heidelberg
- Prof. Dr. Hans J. Grabe (Co-Chair), Universitätsmedizin Greifswald
Beiträge:
- Depression als leibliche Krankheit. Phänomenologie und Verkörperungstheorie, Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Universitätsklinikum Heidelberg
- Gestörtes Leibvertrauen depressiver Patienten als Prädiktor für Suizidgedanken, Prof. Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen & Dr. Michael Eggart, Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
- Myofasziale Veränderungen bei depressiven Patienten, Prof. Dr. Robert Schleip, Technische Universität München
- Erfahrungen bei der Implementierung der psychoaktiven Manualtherapie PAM in einer Psychiatrischen Klinik, Prof. Dr. Hans J. Grabe, Universitätsmedizin Greifswald
Abstract zum Symposium:
Die Depression wird häufig als primär kognitiv-affektive Störung betrachtet. Aus der Perspektive der Phänomenologie und der Verkörperungstheorie stellt sie jedoch eine fundamentale „Leibkrankheit“ dar. Der Leib wird in der depressiven Episode nicht mehr als Medium des Weltbezugs erfahren, sondern als schwerer widerständiger Körper. Diese Entfremdung spiegelt sich in tiefgreifenden Störungen der Interozeption wider. Die Wahrnehmung und Verarbeitung körpereigener Signale ist bei depressiven Patienten systematisch verändert. Dies zeigt sich in einer verminderten Genauigkeit bei der Herzschlagwahrnehmung, was häufig mit affektiver Verflachung einhergeht. Auf neurobiologischer Ebene zeigt sich eine Hypoaktivierung der Insula, einer zentralen Gehirnregion für die Integration körperlicher und emotionaler Zustände. Vor allem Defizite der interozeptiven Sensibilität sind bei depressiven Patienten mit ungünstigen Behandlungsverläufen (z.B. verringertes Ansprechens auf die stationäre Therapie, Persistenz von Residualsymptomen) verbunden. Reduziertes Leibvertrauen, d.h. den eigenen Leib als unsicher und nicht vertrauenserweckend zu erfahren, ist ein Kernmerkmal der Depression und könnte suizidpräventive Relevanz haben, da es persistierende Suizidgedanken prädiziert. Aktuelle Forschungsergebnisse erweitern das Bild der depressiven Erstarrung auf das myofasziale Gewebe. Depressive Patienten weisen eine erhöhte Steifigkeit und verringerte Elastizität myofaszialer Strukturen auf (insbesondere im Schulter-Nacken-Bereich). Diese strukturellen Veränderungen sind Teil einer dysfunktionalen Rückkopplungsschleife, welche die Aufrechterhaltung einer kognitiv-affektive Starre erklären könnten. Die Berücksichtigung interozeptiver und myofaszialer Befunde unterstreicht die Notwendigkeit, körperorientierte Ansätze in die Depressionsbehandlung zu integrieren. Erste Erfahrungen mit einer manuellen Intervention konnten an einer psychiatrischen Klinik bereits gesammelt werden.