9. März 2026

Interozeption und Suizidalität bei Depression: Neue Studiendaten

Auf dem soeben zu Ende gegangenen und gut besuchten Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Berlin wurden durch Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen gemeinsam mit Dr. Michael Eggart aktuelle Forschungsergebnisse zur Bedeutung der Interozeption bei schweren Depressionen vorgestellt. Untersucht wurde an einer Stichprobe stationär behandelter Patientinnen und Patienten mit schwerer Depression, ob sich durch die Erfassung gestörter Interozeption die Wahrscheinlichkeit von Suizidgedanken zum Ende der Behandlung vorhersagen lässt. Während der Präsentation wurde deutlich, dass viele der Anwesenden – überwiegend Psychologinnen und Psychologen – die Vorstellung von Depression als primär einer Leibkrankheit und nicht in erster Linie einer „Hirnkrankheit“ als ungewohnt und überraschend empfanden. Der Referent erwähnte zudem, dass häufig eingesetzte Antidepressiva – im Gegensatz zu Lithiumsalzen – keine nachgewiesene suizidpräventive Wirkung besitzen. Besonderes Interesse weckte das zentrale Studienergebnis: Die Wahrscheinlichkeit von Suizidgedanken zum Ende eines stationären Aufenthalts ließ sich durch ein zu Beginn dokumentiertes reduziertes Leibvertrauen auf der MAIA-2-Skala vorhersagen. Unter den Teilnehmenden bestand Einigkeit darüber, dass diese Befunde in weiteren Studien repliziert werden sollten, insbesondere an Stichproben mit erwartungsgemäß höherer Suizidalität d.h. auch an solchen mit bipolarer Störung. Therapeutische Konsequenzen für die klinische Praxis lassen sich aus diesen Befunden gegenwärtig nicht ableiten. Link zur Veröffentlichung: Eggart, M., Valdés‐Stauber, J., & Müller‐Oerlinghausen, B. (2025). Reduced trust in bodily sensations predicts suicidal ideation in hospitalized patients with major depression: an observational study. Suicide and Life‐Threatening Behavior, 55(4), e70041. https://doi.org/10.1111/sltb.70041

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Studie zur Wirkung von Massage bei generalisierter Angststörung

Die generalisierte Angststörung tritt bei fast 6 % der Bevölkerung auf. Viele Betroffene suchen nach ergänzenden oder alternativen Behandlungsformen, da konventionelle medikamentöse oder psychotherapeutische Therapien nicht in allen Fällen ausreichend wirksam sind. In diesem Kontext werden auch Körpertherapien wie die Schwedische Massage eingesetzt. Eine aktuelle Studie zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Patientinnen und Patienten nach Abschluss einer Therapiephase mit mindestens zwölf Behandlungen über einen längeren Zeitraum nachbeobachtet wurden. Die Ergebnisse wurden mit einer Kontrollgruppe verglichen, die lediglich leichte Berührungen erhielt. Die Auswertung der Fragebögen zum Wiederauftreten der Symptomatik deutet darauf hin, dass die positiven Therapieeffekte bei den behandelten Patientinnen und Patienten bis zu einem Jahr lang auch ohne weitere therapeutische Interventionen erhalten blieben. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit den Befunden von Baumgart et al. (2020). In einer kontrollierten Studie konnten die Autorinnen und Autoren ebenfalls überdauernde Effekte einer „psychoregulativen Massage“ bei Patientinnen mit somatischem Rückenschmerz und Depression nachweisen. Link zur Veröffentlichung: Rapaport, M. H., Schettler, P. J., Larson, E. R., Edwards, S. A., Dunlop, B. W., Rakofsky, J. J., & Kinkead, B. (2023). A preliminary descriptive report of the longevity of the effects of Swedish Massage therapy for subjects with Generalized Anxiety Disorder. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 33, 176-181. https://doi.org/10.1016/j.jbmt.2022.11.001

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