Mehrere Übersichtsarbeiten zeigen einen antidepressiven, anxiolytischen, relaxierenden und analgetischen Effekt einer über den ganzen Körper angewandten Massagetherapie bei psychiatrischen Patienten (Baumgart et al., 2011; Moyer et al., 2004; Hou et al., 2010, McGlone et al., 2024 ). Doch ist unklar, ob auch Massagen über isolierte Körperbereiche wie beispielsweise Hand oder Fuß einen Stellenwert in der Pflege haben können.
Seit 2024 untersucht das ZfP Südwürttemberg im Rahmen einer Längsschnittstudie die Wirkung einer speziellen Form der psychoaktiven Handmassage als Teil einer modernen Berührungsmedizin. Dazu werden fünf unterschiedliche Patientengruppen (Gerontopsychiatrie, Depressionsstation, Neurologie-Schmerz, Psychosomatik, Palliativstation) mit ca. 30 Patienten pro Gruppe untersucht. Die Anwendungen werden von Pflegekräften durchgeführt, die eigens durch Experten der Massageschule der Universität Würzburg und in Verbindung mit der Deutschen Gesellschaft für Berührungsmedizin e.V. geschult wurden. Dabei bleibt die reguläre medizinische Behandlung aller Teilnehmenden zu jedem Zeitpunkt unabhängig von der Studie vollumfänglich gewährleistet.
Methodisch setzt das Projekt auf einen Mixed-Methods-Ansatz, um Soforteffekte sowie kurzfristige und kumulative Wirkungen über einen Zeitraum von zwei Wochen zu erfassen. Während die quantitative Forschung mittels validierter Fragebögen verschiedene klinische Settings vergleicht, dient die qualitative, explorative Analyse des subjektiven Erlebens der Patienten dazu, neue, fokussierte Forschungsfragestellungen zu generieren. Ziel ist es, eine bereits in anderen Kontexten wissenschaftlich evaluierte Massageform als mögliche neue Intervention der psychiatrischen Pflege zu etablieren.