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Vortrag an der Universität Konstanz im Fachbereich Psychologie
Berührungsmedizin als neuer Ansatz in der Psychotherapie: Einblicke in das Behandlungskonzept der Hochgrat Klinik
Berührungen sind ein elementares menschliches Grundbedürfnis und spielen eine entscheidende Rolle in der zwischenmenschlichen Kommunikation sowie der sozioemotionalen Entwicklung. Bis ins hohe Lebensalter sind Berührungen an der physiologischen und psychologischen Regulation beteiligt. Ein Mangel an Berührung macht an Leib und Seele krank.
Vor über 30 Jahren führten bahnbrechende Entdeckungen in der menschlichen Haut zu einer intensivierten Erforschung des Berührungssinns: Neurophysiologen beschrieben nicht-myelinisierte C-taktile Fasern, die spezifisch auf sanfte Berührungen („affective touch“) reagieren und ein Wohlgefühl vermitteln. Als optimal erwies sich eine Streichelgeschwindigkeit von 3 cm/s bei leichtem Druck und Hauttemperatur, aber auch Berührungen mit tieferem Druck (bspw. Umarmung) aktivieren diesen Fasertyp. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass sanfte Berührungen interozeptive Zustände beeinflussen können, die bei psychischen Erkrankungen häufig dysfunktional sind.
Die Berührungsmedizin macht sich die positiven Wirkungen von Berührungen auf Gesundheit und Wohlbefinden zunutze. Klinische Studien belegen deren Wirksamkeit in verschiedenen Indikationen, beispielsweise bei Depressionen, Angststörungen oder chronischen Schmerzen. Demgegenüber liegt in der Psychotherapie eine große Verunsicherung über den professionellen Einsatz von Berührungen vor, obwohl sich taktile Interventionen sicher und therapeutisch effektiv nutzen lassen.
Die Referenten werden über wissenschaftliche Grundlagen der Berührungsmedizin sowie über praktische Erfahrungen bei der Behandlung von psychosomatischen Patientinnen und Patienten referieren. Dabei wird das berührungsmedizinische Behandlungskonzept der Hochgrat Klinik vorgestellt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch.
Informationen zu den Referenten:
Dipl.-Psych. Michael Gerlach ist leitender Psychotherapeut an der Hochgrat Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie in Stiefenhofen bei Oberstaufen (https://www.reisach-kliniken.de/) sowie Supervisor, Lehrtherapeut und Dozent für Verhaltenstherapie. Er ist ein ausgewiesener Experte für die Anwendung heilsamer Berührungen im stationären Setting. Sein klinisches Interesse gilt insbesondere wissenschaftlich gestützter Paradigmen des Handhaltens sowie der Bonding-Psychotherapie.
Dr. Michael Eggart engagiert sich als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Berührungsmedizin e.V. (https://www.dgfbm.de) für die Erforschung und Anwendung therapeutisch eingesetzter Berührung. Sein wissenschaftliches Interesse gilt interozeptiven Regulationsprozessen bei affektiven Erkrankungen sowie den Wirkmechanismen spezifischer Berührungsformen („affective touch“) bei der Behandlung von Depressionen.